Steckels Shake-Speare
Lese- und Studienausgabe von zahlreichen Hauptwerken William Shakespeares
in der legendären neuen deutschen Übertragung von Frank-Patrick Steckel

Titelseite: Die Federzeichnung (eines Kostüms?) findet sich seit dem 9. März 2011 im Internet. Der Ursprung ist unbekannt.

=== Neuerscheinung Januar 2017 ===

Der Sturm / The Tempest
Deutsch von Frank-Patrick Steckel
zweisprachige Ausgabe mit dem englischen Originaltext der Ausgabe von 1623
herausgegeben von Uwe Laugwitz
mit einem Anhang zu Jakob Ayrer von Gerold Wagner

Diese Übersetzung entstand 2015/2016 als Auftragsarbeit für das Schauspiel Frankfurt/M.

the still-vext Bermoothes

Look into any Angle of the towne, (the Streights, or the Bermuda’s)…, and how do they entertaine the time, but with bottle-ale, and tobacco? (Ben Jonson)

Ab dem 19. Jahrhundert, „When source-hunting was fashionable« (Bullough), wurden Quellen gesucht, die erklären sollten, woher Shakespeare die Inspiration oder das Wissen über die nautischen Ereignisse des Stückes und insbesondere die Bedeutung des Wortes Bermoothes haben konnte. Von den Kandidaten für diesen vermuteten Wissenstransfer ist heutzutage nahezu nichts übriggeblieben... Auch die umfangreichen Studien zum Thema von Kositsky/Stritmatter oder Nina Green machen sich sehr viel Mühe mit der Widerlegung des Quellencharakters hauptsächlich eines Briefes aus dem Jahre 1609 (gedruckt allerdings erst 1625). Peter Moore sagt auch zu diesem Thema das Wesentliche: »Doch benötigte Shakespeare diese Quellen eigentlich? Der schlechte Ruf der Bermudas stand bereits im sechzehnten Jahrhundert fest; der Schiffbruch des Heiligen Paulus bei Malta gibt eine bessere Quelle für The Tempest ab als jedes einzelne der Bermuda-Pamphlete oder alle mitsammen, und Richard Hakluyts beliebtes Buch über seine Forschungsreisen darf hier auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Bermudas Ruf in Hinblick auf Stürme, Wracks und Geister war Volksgut, lange bevor The Tempest geschrieben wurde.« (NSJ IV, 52) Auch eine von Kositsky/Stritmatter herangezogene neue Quelle, Peter Martyr’s De Orbe Novo (1530), weist ein paar Wortübereinstimmungen wie »tortyose«, »monster of the sea« ... auf; ob dies für Der Sturm relevant war, ist jedoch kaum nachweisbar. Vielleicht um Moores Wort vom Volksgut (common knowledge) mit »Seemansgarn« zu erläutern? Sehr viel amüsanter und aufhellender ist da immer noch das auch schon Ben Jonson (s.o.) bekannte Synonym für das Londoner Kneipenviertel: die ganze Anspielung wäre dann nur ein Wortwitz. (aus dem Nachwort)

Jochen Tovote als König John
Schauspiel Köln 1997
(Regie: Frank-Patrick Steckel)

Leben und Sterben des Königs John / The Life and Death of King John
Deutsch von Frank-Patrick Steckel
zweisprachige Ausgabe mit dem englischen Originaltext der Ausgabe von 1623
herausgegeben von Uwe Laugwitz

BASTARD Verrückte Welt! Verrückte Könige!
Verrückte Politik! Um Arthurs Anspruch,
Der aufs Ganze geht, zu stoppen, willigt
John darein, ein Teil ihm abzuteilen.
Und Frankreich, dem Gewissen in den Harnisch,
Und Ehre auf das Schlachtfeld half als Streiter
Gottes, dem raunt in das Ohr derselbe
Zweckverdreher, der gerissne Teufel,
Der Makler, der die Treue selbst vermakelt,
Der Eidesbrecher, er, der alle kriegt,
Ob Könige, ob Bettler, Alte, Junge -
Jungfraun, die rein äußerlich gesehen,
Nichts zu verlieren haben als den Titel
Jungfrau, er betrügt das arme Ding drum,
Der glatte Herr, der Junker Eigennutz;
Die Welt läuft schief durch diesen Eigennutz,
Die Welt, die an sich ausgewogen ist,
Gemacht zu ebnem Gang auf ebner Bahn,
Bis dieser Vorteil, diese üble Unwucht,
Der Schwindelanfall, dieser Eigennutz,
Das Gleichgewicht ihr raubt, um Richtung sie,
Um Sinn und Zweck, um Ziel und Ordnung bringt

Hans-Werner Leupelt als Berowne
Schauspiel Köln 2000
(Regie: Frank-Patrick Steckel)
Verlorene Liebesmüh / Loues Labor’s lost
Deutsch von Frank-Patrick Steckel
zweisprachige Ausgabe mit dem englischen Originaltext der Ausgabe von 1598
herausgegeben von Uwe Laugwitz

BEROWNE Und ich, in vollem Ernst, verliebt!
Ich, der der Liebe eine Geißel war,
Ein wahrer Büttel jedem armen Seufzer;
Ein Kritikaster, nein, ein Strafverfolger,
Schulmeisternder Pedant dem Flügelknaben,
Dem doch kein Sterblicher die Riemen löst!
Der achtlos blinde, launenreiche Bengel,
Der Riesenzwerg, wie ihn der Römer malte
Don Cupido, Lord der Liebesreime
Fürst gekreuzter Arme, das gesalbte
Oberhaupt des Seufzens und des Stöhnens
Der Lehnsherr aller Bummler und Betrübten
Regent der Röcke, Herr der Hosenlätze,
Der Imperator und der General
Von Zucht und Sitte: o mein kleines Herz!
Ich steh für ihn im Feld als Korporal,
In seinen Farben, wie sein Akrobat!

240 S., EUR 13,-- (beim Bezug der Reihe 10,-) ISBN 9783-933077-40-0

Der Garten des Künstlers Armand Schulthess
(Copyright Hans-Ulrich Schlumpf, Zürich)
Wie es euch gefällt/ As you Like it
Deutsch von Frank-Patrick Steckel
zweisprachige Ausgabe mit dem englischen Originaltext der Ausgabe von 1623
herausgegeben von Uwe Laugwitz

PRÜFSTEIN Hallo, mein Bester. Behüte den Kopf, behüte den Kopf, nein, im Ernst, behüte ihn. Wie alt bist du, mein Bester?
WILLIAM Fünfundzwanzig, Sir.
PRÜFSTEIN Ein reifliches Alter. Dein Name lautet William?
WILLIAM William, Sir.
PRÜFSTEIN Ein netter Name. Biste ’n Waldkind?
WILLIAM Ja, Sir, Gott seis getrommelt, ’n Waldkind.
PRÜFSTEIN Gott seis getrommelt ist gut. Biste reich?
WILLIAM Na ja, Sir, so la la.
PRÜFSTEIN So la la ist auch gut, sehr gut, ganz hervorragend gut: und so gut auch wieder nicht, weil nur so la la. Biste ’n helles Köpfchen?
WILLIAM Ja, Sir, ein Dussel bin ich nicht grad.
PRÜFSTEIN Wiederum hübsch gesagt. Da fällt mir eine alte Redensart ein: Der Dussel glaubt, er sei ein Weiser, aber der Weise weiß, er ist ein Dussel. So ein antikischer Philosoph, wenn es den nach einer Weintraube gelüstete, öffnete er schlicht den Mund, um sie hinein zu stecken, womit er schlagend vor Augen führte, daß, wenn Weintrauben gegessen werden sollen, Münder geöffnet werden müssen. ... Gib mir deine Hand. Du bist gelehrt?
WILLIAM Das nicht, Sir.
PRÜFSTEIN Dann lerne dieses von mir: Wer hat, der hat. Denn es ist eine rhetorische Frage, ob die Weisheit sich aus dem vollen Mann in den leeren ergießt gleich einem Getränk, das den Krug leert, indem es den Becher füllt. Folglich kommen euch die Bücherhengste samt und sonders darin überein, daß ipse er selbst ist. Du hinwiederum bist nicht ipse, denn er selbst bin ich.

234 S., EUR 13,-- (beim Bezug der Reihe 10,-) ISBN 9783-933077-39-4

Bühnenbildmodell zu Max Reinhardts Inszenierung »Ein Sommernachtstraum«
von K. Walser, M. Reinhardt, G. Knina, Berlin 1905
Ein Mittsommernachtstraum/ A Midsommer nights dreame
Deutsch von Frank-Patrick Steckel
zweisprachige Ausgabe mit dem englischen Originaltext der Ausgabe von 1600
herausgegeben von Uwe Laugwitz

ZETTEL Sind wir alle da?
ZWING Aber klar, aber ja; und dies ist hier ein fabelhaft passender Platz für unsere Probe. Der grüne Fleck ist unsere Bühne, und der Weißdornbusch unser Bühnenhaus; und wir spielen durch, wie vor dem Herzog.
ZETTEL Peter Zwing!
ZWING Was sprichest du, hochmögender Zettel?
ZETTEL Dinge gibts in dieser Komödie von Pyramus und Thisbe, die kommen niemals an. Erstmal muß Pyramus zum sich Umbringen ein Schwert rausholen, was die Ladies nicht ab können. Wie lautet darauf Eure Antwort?
TÜLLE Bei’r Jungfrau, ein bedenkenswertes Bedenken.
KÜMMERLING Ich glaube, wir müssen das Metzeln weglassen am Schluß.
ZETTEL Kein Tüttelchen; ich weiß ein Ding, das alles gut macht. Schreibt mir einen Prolog, und laßt den Prolog sowas sagen wie wir richten mit unsern Schwertern kein Unheil an und daß Pyramus nicht wirklich tot geht; und zur noch besseren Versicherung sag ihnen, ich, Pyramus, bin nicht Pyramus, sondern Zettel, der Weber. Das wird sie in Unfurcht versetzen.

192 S., EUR 13,-- (beim Bezug der Reihe 10,-) ISBN 9783-933077-36-3

Die Gasse Frezzeria (früher „Sagittaria“) in Venedig, die als „Sagittary“ („Pfeilgasse“) in OTHELLO erwähnt wird.
Die Tragödie von Othello, dem Mohren von Venedig/
The Tragedie of Othello, The Moore of Venice

Deutsch von Frank-Patrick Steckel
zweisprachige Ausgabe mit dem englischen Originaltext der Ausgabe von 1623
herausgegeben von Uwe Laugwitz

»Wenn er [Edward de Vere, 17. Graf von Oxford] Shakespeare war, hatte er selbst Othellos Qualen durchgemacht.«
Sigmund Freud An James S. H. Bransom, 25. März 1934

"Steckel sieht und hört die Figuren auf der Bühne, er erlebt sie, wenn er ihnen Worte verleiht. Dieser Vorgang ist nicht mit Interpretation zu verwechseln. Der Versuchung, als regieführender Übersetzer den szenischen Vorgang nicht nur nachzubilden und zu vermitteln, sondern zu lenken, widersteht Steckel. Überhaupt schützt er Shakespeare vor jedweder Vereinnahmung durch genaue und puristische Übertragungen. Direktheit der Sprache und Klarheit der Gedanken zeichnen sie aus. Dabei sind sie keineswegs unsinnlich..."
Annette Reschke in der Laudatio für den Preis der Autoren 2013

306 S., EUR 13,-- (beim Bezug der Reihe 10,-) ISBN 9783-933077-35-6

Barbara Petritsch als Cleopatra, Peter Roggisch als Antonius
Schauspielhaus Bochum 1986
(Regie Frank-Patrick Steckel)
Antonius und Cleopatra/Anthony and Cleopatra
Deutsch von Frank-Patrick Steckel
zweisprachige Ausgabe mit dem englischen Originaltext der Ausgabe von 1623
herausgegeben von Uwe Laugwitz

CLEOPATRA Was hältst du davon, Iras?
Du und ich als zwei Ägypterpüppchen
Auf allen Rummelplätzen Roms: stupides Volk,
Verschmierte Schürzen, Latten, Eisenhämmer,
Will uns erhöht sehn, um uns anzuglotzen,
Ihr Atem stinkend, fetten Fraß aufstoßend,
Umwölkt uns, und wir trinken Schweißgeruch.
IRAS Die Götter hindern’s.
CLEOPATRA Nein, das tun sie nicht.
Amtliche Pfoten greifen uns wie Dirnen,
Verseschmiede reimen uns zu Tod,
Die schnellen Komödianten spielen uns,
Und zeigen Alexandria bei Nacht:
Antonius tritt betrunken auf, und mich
Seh ich von irgendeinem Jüngling kreischend
Als Hure dargestellt.
IRAS Ihr guten Götter!
CLEOPATRA Nein, das sind sie nicht.

286 S., EUR 13,-- (beim Bezug der Reihe 10,-) ISBN 9783-933077-34-9

Glenn Goltz als Macbeth
Theater Bremen 2009
(Regie Frank-Patrick Steckel)
Die Macbeth Tragödie/The Tragedie of Macbeth
Deutsch von Frank-Patrick Steckel
zweisprachige Ausgabe mit dem englischen Originaltext der Ausgabe von 1623
herausgegeben von Uwe Laugwitz
mit einem Aufsatz von Frank-Patrick Steckel

"...weit weniger schwarz, als wir "Die Macbeth Tragödie" (wie Steckel die eigene neue und ziemlich grandiose Übersetzung überschreibt) bislang kannten. ... klar zeigt Steckel in jedem Augenblick, was und wohin (und wohin nicht) er will mit dieser alten Geschichte. Sie sieht ganz anders aus als sonst – und ist sehr neu erzählt. Die Übersetzung ist auch, aber nicht nur modern und heutig... Grundsätzlich aber ist sie streng und genau. Die auf Knappheit forcierte Grammatik fordert die ganze Kunst des Sprechens auf der Bühne ... dieser alte Fuchs, der jeden Trick kennt im Theater, zeigt einmal mehr, was das wichtigste ist an einer Inszenierung: dass einer weiß, warum er tut, was er tut."
Michael Laages auf nachtkritik.de

220 S., EUR 13,-- (beim Bezug der Reihe 10,-) ISBN 9783-933077-32-5

Timons Maske von Dieter Hacker für die Aufführung des Schauspielhauses Bochum 1990
(Regie Frank-Patrick Steckel)

Timon aus Athen/The Life of Tymon of Athens
Deutsch von Frank-Patrick Steckel
zweisprachige Ausgabe mit dem englischen Originaltext der Ausgabe von 1623
herausgegeben von Uwe Laugwitz
mit Aufsätzen von Gabriele Gronewold und Frank-Patrick Steckel

Through the mouths of the dark characters of Hamlet, Timon, Lear, and Iago, he craftily says, or sometimes insinuates the things, which we feel to be so terrifically true, that it were all but madness for any good man, in his own proper character, to utter, or even hint of them.
Herman Melville

250 S., EUR 13,-- (beim Bezug der Reihe 10,-) ISBN 9783-933077-31-8
Leseprobe (empfohlene Seitenanzeige: Zwei Seiten)

Frank-Patrick Steckel hat 1970, gemeinsam mit Peter Stein und seinem Ensemble, die Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer neu gegründet und lebt seitdem für das Theater. Seit seinen Jahren als Oberspielleiter des Bremer Theaters wandte er sich immer wieder dem Werk Shakespeares zu. Beginnend mit Die Tragödie von König Richard II.. (Bremen 1980) hat er zwölf Shakespeare-Stücke übersetzt und neun mit großem Erfolg auch selbst inszeniert: in Bochum, Bonn, Köln und zuletzt wieder in Bremen (Die Macbeth Tragödie 2009). Seine Übersetzungen gelten bei Theaterkennern und -praktikern als die besten spielbaren modernen Übersetzungen, sie wurden und werden in den vergangenen Spielzeiten nachgespielt - vom Niedersächsischen Staatsschauspiel Hannover bis zum Theater Baden-Baden, vom Nationaltheater Mannheim bis zum Theater Nordhausen. Man spürt an Steckels Übersetzungen die immer wieder neu formende Kraft, die minutiöse Arbeit an jedem einzelnen Satz, der den Leser unmittelbar anspricht. Steckels Deutsch ist eine Sprache, die den Begriff "Bühnenhochlautung" noch nicht verlernt hat und wird den sehr differenzierten Sprachebenen, die gerade das Bühnenwerk Shakespeares ausmachen, bestens gerecht.

Mit der Veröffentlichung von Leseausgaben der Shakespeare-Übersetzungen Frank-Patrick Steckels wird für das literarische Publikum auch nachvollziehbar, wie sehr hier jemand zu würdigen ist, der sein Leben der Arbeit an der deutschen Sprache gewidmet hat - auf der Bühne und mit höchster philologischer Genauigkeit im Buch.

Es handelt sich um die erste oxfordianische Shake-Speare-Ausgabe (so die Schreibweise des Verfassernamens in frühen Drucken), die in ihren Anmerkungen und Kommentaren erstmals die Verfasserschaftsfrage zum Thema macht - das unterscheidet sie von allen voraufgegangenen deutsch/englischen Ausgaben und stellt in Deutschland ein absolutes Novum dar. Außerdem stellen die Büchlein den Quarto- resp. Foliotext der jeweiligen Erstausgabe der Stücke gänzlich unverändert vor - ohne Verbesserungen, ohne Modernisierungen, ohne Emendationen, ohne herausgeberische Spekulationen, auch das hat es noch nie gegeben.

„Steckels Übersetzung war eine Offenbarung, die Verse griffig, ohne Füllsel, die Reime treffend und unforciert, ein Sprachduktus, in dem die vertrackte Geschichte von Intrige, Verrat und Mord zu einem geistigen Erlebnis wurde.“ (Wilhelm Hortmann, Shakespeare und das deutsche Theater)

„Das ist gefühlt und gesprochen in der Symbolsprache des siebzehnten Jahrhunderts, der Zeit und Ewigkeit eines sind” (Rolf Michaelis, DIE ZEIT)

„...eine hoch intelligente, gewitzte, luzide Übersetzung ..., die in der Bibliothek der modernen Poesie ihren Platz hat“ (Andreas Wilink, WAZ)

„Überraschend in der Metaphorik, wagemutig in den Wortschöpfungen, kantig gewitzt in der Dialogführung“ (Andreas Rossmann, FAZ)

"Was aber leistet die Ausgabe, so dass sie für den Shakespeare-Interessierten reizvoll sein kann? Es ist sicherlich nicht der Umstand, dass die Bände bemerkenswert günstig sind und dass von 'Timon aus Athen' aktuell gar keine anständige deutsche Einzelausgabe vorliegt.
Die Ausgabe ist zweisprachig im Paralleldruck: Links steht der englische Text nach dem Erstdruck, rechts Steckels Übersetzung. Modernisiert ist das Original nicht, was die präzise Auseinandersetzung mit ihm natürlich enorm erleichtert. Uwe Laugwitz nennt im Nachwort zu 'Timon von Athen' dieses Vorgehen eine 'originalgetreue Editionspraxis' und vergleicht sie mit der bei 'Hölderlin, Kleist, Kafka'. ... die Ausgabe [ist] ein wenig pragmatischer als etwa die Kleist-Edition von Roland Reuß und Peter Staengle. Aber ist das schlimm? Vielleicht für Erbsenzähler, nicht aber für die, die sich Shakespeare neu oder erneut erlesen möchten.
Denn die Ausgabe ist schließlich nicht in Leinen gebunden, um in Bibliotheken auf Leser zu warten, sondern für die Auseinandersetzung hier und heute. Sie lädt ein zur Beschäftigung mit dem Original, indem sie es unkompliziert präsentiert. Und vor allem bietet sie eine Übersetzung, die der Vorlage beeindruckend gerecht wird. Sie ist weit prägnanter als die in Deutschland weiterhin kanonische Tieck-Übersetzung. Das gilt nicht nur für die Wortwahl, sondern auch für den Umgang mit dem Vers, der zumal bei 'Timon aus Athen' eine Herausforderung ist, weil er wiederholt rauh und unregelmäßig ist. Ergänzend liefert das Nachwort wichtige Hinweise zu Shakespeares Vorlagen und zur Überlieferungsgeschichte.
Das macht sie teilweise arg prägnant, so dass der mit der Forschung weniger vertraute Leser das eine oder andere nachschlagen muss. Aber dieses Vorgehen ist nicht weiter schlimm, denn es zeigt, was für ein Bild Steckel und Laugwitz vom Leser ihrer Ausgabe haben. Sie setzen konsequent auf einen neugierigen Leser und nicht auf einen, dem man alles in hübsch verpackten Happen servieren muss. Editionsvorhaben sind häufig entweder eine Angelegenheit für wenige Spezialisten, die sich erst mit viel Aufwand in die Edition einarbeiten müssen, oder andererseits ein Buchprojekt, das so tut, als habe man es mit Bewohnern einer Einrichtung für betreutes Lesen zu tun. Steckel macht beides nicht und findet so genau das richtige Maß zwischen den beiden gängigen Extremen. Das ist sehr zu begrüßen.
Wie sehr er Übersetzungen für die Gegenwart anfertigt, zeigt ebenso seine 'Macbeth Tragödie', die er vor knapp vier Jahren in Bremen selbst auf die Bühne gebracht hat. Michael Laages hat die Übersetzung damals schon präzise beschrieben. Nun kann sich endlich ein breites Publikum von ihr überzeugen. Aktuell dominiert weiterhin die von Thomas Brasch die Theaterlandschaft. Sie ist von 1990. Experimentierfreudigere Regisseure greifen sogar zu der freieren Übertragung Heiner Müllers aus den frühen 70er Jahren. Die 'Macbeth Tragödie' hat das Zeug, beide herauszufordern.
'You shall be King', möchte man Steckel mit Banquo zurufen. Dass hier jedoch besser geschwiegen wird, liegt schlicht daran, dass Steckel sogleich die Ambivalenz des Lobes klar wäre."
Dr. Kai Bremer auf nachtkritik.de

Editionsplan/Weitere Bände:
* The most lamentable Tragedie of Romeo an Iuliet/Die Tragödie von Romeo und Julia
* The Tragedie of King Richard the second/Die Tragödie von König Richard II.
* The Raigne of King Edward the third/Die Regierung des Königs Edward III.
* The Tragedie of Cymbeline/Cymbeline
* Twelfe Night, Or what you will/Die zwölfte Nacht oder Was ihr wollt
* The Tragedie of Hamlet, Price of Denmarke/Die Tragödie von Hamlet, Prinz von Dänemark
Laugwitz Verlag
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